Dirtmusic in the desert Teil 2
Ab 18:00 Uhr wird es dunkel und die Temperaturen angenehmer. Ich sehe einer schwedische Gruppe zusammen mit einem Rapper aus Mali zu. Das klingt wie Led Zeppelin auf Rap. Sehr befremdlich. Ich will zurück zum Zelt und verlaufe mich in den Dünen. Später gewöhne ich mich an den Weg: rechts der Bühne die grosse Düne entlang, am Ende hoch auf den Dünenkamm und die nächste Düne rechts lang immer geradeaus. Ist doch ganz einfach ;-) Nachts: die Jams an den Nachbarzelten gehen bis zum Tagesanbruch. Die Tuareg scheinen nie zu schlafen … um 07:00 h morgens ist alles schon wieder auf den Beinen. Freitag, 11.01.2008 Festival au desert Ich will gar nicht recht aufstehen. Ich versuche ein wenig Wasser zu finden um mich zu waschen. Kein Tropfen kommt aus dem einzigen Wasserhahn.
Mein Laptop verabschiedet sich, als ich meine Bilder von der Kamera aufspielen möchte. Gottseidank geht es nach 3 Versuchen wieder , aber es hat ne Macke ab und ich muss ab sofort mit allem rechnen. Der Wüstensand fordert seinen Tribut. Rumhängen … kein Stuhl zum Sitzen, keine Decke zum Liegen … nur Sand, Sand, Sand … Wer bin ich eigentlich hier, was ist meine Rolle und was mache ich hier ? Chris stellt mich öfters den Leuten als Tourmanager von Dirtmusic vor, auch als der „Guru“ , „the good soul behind“ oder einfach nur als einen Freund, was meine Gefühle am ehesten trifft. Inzwischen sind wir ja auch schon ein ganz schön zusammengeschweisstes Team. Um 11:15 sind wir zur Hauptbühne, dort sollte der Soundcheck von Dirtmusic stattfinden für die Show am Abend. Nach 2 ½ Stunden gehen wir wieder zurück zum Zelt, kein Soundcheck … das ist afrikanische Organisation ! Diese Hitze !!! Diese Hitze !!!!!!
Ich habe den Eindruck, Kamele sind nicht für Rennen geschaffen. Einige brechen in Panik aus und beinahe werden Zuschauer verletzt. Beeindruckend ist das Rennen jedoch auf jeden Fall. In meiner Zeit hier lerne ich mehr und mehr den eleganten Gang und die königliche Haltung der Kamele zu lieben.
20:30 h , Dirtmusic sollte jetzt spielen.
2 Stunden später ist es dann so weit. Sie haben allerdings nur 2 elektrische Verstärker, so muss eben einer mit dem Bass Verstärker spielen. „Arhaly“ von der Band Tamikrest spielt mit ihnen auf seiner Djembe. Marianne spielt Geige dazu. Wunderschön ! Die Show ist gut, der Sound grauslich. Klingt alles eher afrikanisch blechern, als so wie wir es gewohnt sind. Sie haben auch nur 2 , statt 3 Stühle auftreiben können. Also muss einer im Stehen spielen (Hugo).
Danach hab ich bis ca. 01:00 h der Musik zugehört. Klasse. Dann ging ich zum Zelt, ich war sehr müde. Im Zelt hat man aber die Musik auch noch sehr gut gehört. Schön zum Einschlafen. Samstag, 12.01.2008 Festival au desert
Wir machen einen langen Spaziergang durch die Dünen bis nach Essakane. Idyllisch, friedvoll, beeindruckend. Ein kleines Dorf oder besser eine kleine Ansammlung von Hütten, jedenfalls gibt es eine Schule und viele Ziegen und Kühe. Auf dem Rückweg hören wir Live Reggae Musik über die Dünen schallen. Man sieht nichts als Dünen und durch die Luft kommt der Sound. Wiederum sehr „strange“ das alles . Mittagessen : oh Schreck lass nach, schon wieder das gleiche Essen mit der gleichen Sosse wie immer. ICH KANN ES NICHT MEHR SEHEN !!! Ich war nun seit 4 Tagen nicht mehr auf der Toilette. Also versuche ich es mal backstage, da hab ich gestern Nacht im Dunkeln so etwas wie eine Toilettenschüssel gesehen. Tatsächlich: eine Toilettenschüssel. Aber kein Wasser. Also stapelt sich die Scheisse bis unter die Toilettenbrille. Egal, ich baue den Berg noch ein bischen höher. Auf dem Rückweg erfahre ich die Abfahrtszeit für morgen früh: 06:00 Uhr. Doch jetzt zuerst mal Siesta unter „meinem Baum“…. Herrlich … Zurück zum Zelt. Die Jungs jammen immer noch mit den Tuaregs. Und das seit 2 Stunden. Ich höre ½ Stunde zu und schlendere dann über den Händlermarkt der Tuareg. Ich kaufe ein wenig Schmuck für meine Frau , eine kleine Skulptur usw … Zurück am Zelt, sie jammen immer noch. Dann eine kleine Sensation: die Band Tamikrest lädt sie ein bei 2 ihrer Songs später auf der Bühne mitzuspielen. Und, sie vereinbaren zusammen eine CD aufzunehmen. Mehr noch: ein Afrikaner kommt und lädt die Band ein in 2009 bei einem Musikfestival in Abidjan (Elfenbeinküste) zu spielen.
Sie gingen – wiederum ohne Soundcheck - auf die Bühne und es war phantastisch. 10 Musiker spielen zunächst einen Song von Tamakrit, dann „The other side“ von Dirtmusic. Heute gehen wir relativ früh zu Bett, obwohl das Festival auf Hochtouren läuft.
Sonntag, 13.01.2008 Essakane – Timbuktu - Bamako
Hab mich ein wenig mit der Band Electric Dharma aus Katalonien unterhalten. Wir schwärmten für Insalata mista, Paella , Rioja, Crema Catalana usw .. ach, was gäbe ich für ein gutes Essen mit frischen Salaten ….. Puh! Geschafft. Wir sind wieder in unserem Hotel in Bamako. Leider sind von den 4 vorbestellten Zimmern nur 3 frei. Chris und ich teilen uns eins. Später am Abend wird dann doch noch eines frei. Ich durfte zuerst duschen. Ich hab meinen Waschlappen bestimmt 5x ausgewrungen. Jedes mal kam eine braune Brühe. Unglaublich wie viel Schmutz ein Körper auffangen kann. Schnell wieder eingecremt, hier gibt es wieder unglaublich viele Mosquitos. Jetzt sitze ich auf der Terrasse, rauche eine Zigarette bei einem Bierchen und warte auf die anderen. Einfach abschalten. Hunger ! Seit gestern abend (1/2 Teller Couscous, was sonst ?) hab ich nichts mehr gegessen, ausser 2 Müsliriegeln. Wenn alle da sind gehen wir Essen und fallen wahrscheinlich früh ins Bett. Von wegen ! Wir gingen zum Essen. Jeder hat 2 Hauptmahlzeiten zu sich genommen. Der Kellner hat gelacht. Dazu ein paar Flaschen Bier und 2 Flaschen Rotwein. Für hiesige Verhältnisse ist der Wein unverschämt teuer, 15,- Euro. Anschliessend gingen wir in die Crazy horse Bar. Chris meinte, ich müsste da unbedingt hin, damit ich es in meinen Neil Young Fan Kreisen erzählen kann. Bei mir war anschliessend Feierabend. Die anderen sind noch zu einem Musikclub gegangen und haben dort noch live gespielt. Soll sehr „punkig“ gewesen sein. Montag, 14.01.2008 Bamako - Paris
Jetzt ist es 18:00 Uhr. Die Maschine nach Paris geht um 23:25 Uhr. Ich will nur noch nach Hause ….. FAZIT/SCHLUSSWORT: Es war ein grosses Erlebnis für mich, das man sich so über ein Reisebüro sicher nicht kaufen kann. Meine Begeisterung und Respekt für afrikanische Musik und Musiker ist ganz gross gewachsen. Die Liebe zu dem wunderschönen Land und den liebenswerten Menschen in Afrika ist gefestigt. Die kleinen Ärgerlichkeiten gehören dazu und sind letztendlich das Salz in der Suppe. Januar, 2008
Weiterführende Links: Alle Bilder als ZIP herunterladen >> DIRTMUSIC IN THE DESERT DOWNLOADS - UNDER CONSTRUCTION
Dirtmusics website: http://www.myspace.com/dirtmusicband Tamikrest website: http://www.myspace.com/tamikrest
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